Notfunktraining mit Freunden aus Indien

Notfunktraining mit indischen Funkamateuren beim Landesverband OE9

Über Einladung von OE9AMJ, der im Jänner 2007 an der DX-Pedition in VU7 teilnahm, besuchte eine Delegation von indischen Funkamateuren der NIAR (National Institute of Amateur Radio) Vorarlberg. Sie informierten sich vor Ort über die Situation des Not- und Katastrophenfunks in Österreich. Von indischer Seite besteht besonderes Interesse an dieser Thematik, weil Indien direkt von der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 betroffen war. Seitdem werden in Indien intensive Bemühungen unternommen, um auf künftige Katastrophenfälle besser vorbereitet zu sein.

 

Durch den Tsunami 2004 wurde die zu Indien gehörende Andamanen-Inselgruppe (ca. 1500km vom Festland entfernt) ihrer kompletten kommerziellen Telekommunikations-Infrastruktur beraubt. Zufällig befand sich zu diesem Zeitpunkt eine Gruppe von Funkamateuren auf der Insel und konnte unmittelbar nach der Katastrophe die ersten Hilferufe absetzen und im Anschluss über einen längeren Zeitraum für den Fluss von Informationen zwischen der Inselgruppe und dem Festland sorgen.

 

Aus der indischen Millionenstadt Hyderabad, Bundesstaat Andhra Pradesh, entsandte daher die NIAR mit Unterstützung des indischen Ministeriums für Kommunikations- und Informationstechnologie eine Delegation von acht Funkamateuren (Mr. Suri - VU2MY, Mohan -VU2MYH, Satya - VU2SAX, Jose – VU2JOS, Yashwant - VU2YOR, Jaya - VU2JMA sowie Mrs Yamini und Mr. Ajeer Vidya) nach Vorarlberg, um sich über die Situation in Österreich bzw. Vorarlberg zu informieren.

 

Der ÖVSV-Landesverband OE9 organisierte eine Schulung im Zeitraum vom 19. bis zum 21.06.2007. Im Privatgymnasium Mehrerau in Bregenz wurde die theoretische und an der dort befindlichen Clubstation ein Teil der praktischen Schulung abgehalten. Dabei wurde ua. über den Stand der Technik, die effektive Verwendung technischer Arbeitsmittel und die Integration von Funkamateuren in Hilfs- und Rettungsorganisationen in Vorarlberg informiert. Im praktischen Teil wurde die Amateurfunkeinrichtung der Support-Unit des Landes Vorarlberg vorgestellt.

 

  • Gruppenbild im Klosterhof
  • Unterricht im Klassenzimmer Kloster
  • Antennenwurfausbildung mit Carl OE9MON
  • OE9MON Carl und VU2JMA Jaya
  • Betrieb im Zelt im Lustenauer Ried
  • Gruppenbild

Ein weiterer praktischer Teil fand in Form eines ganztägigen Fielddays im Ried zwischen Dornbirn und Lustenau statt. Auf dem von OE9AMJ zur Verfügung gestellten Grundstück wurden Zelte aufgestellt um für alle Witterungsverhältnisse gerüstet zu sein.

Beim Fieldday wurden gemeinsam mit den Gästen aus VU2 mehrere Antennen aufgebaut. So wurden für den Kurzwellenbetrieb ein Spiderbeam für alle Bänder von 10m bis 20m, auf einem Kurbelmasten aufgestellt. Mehrere Doppel-Zepp-Antennen, eine HB9CV für 6m, eine 4ele Yagi für 2m, und eine GP für 2m und 70cm, alle auf GFK-Portabelmasten sowie ein Dipol für 40m, der in einem Baum befestigt wurde, aufgestellt. Als Portabelstationen wurden die Funkgeräte der Support-Unit, mehrere FT-857, FT-897 von Yaesu und ein TS-480 von Kenwood eingesetzt. Um von der Netzversorgung unabhängig zu sein, wurden ein Honda-Notstromaggregat und Bleigel-Akkus verwendet..

 

Neben dem Betrieb in Phonie und CW konnten wir auch die Verwendung von PSK31, RTTY, Packet Radio und SSTV praktisch vorführen. Im Rahmen der praktischen Katastrophenübung fand Pactor in Verbindung mit Airmail besonderen Anklang bei unseren Freunden. Besteht mit dieser Art der Datenübertagung doch die Möglichkeit, weltweit E-Mails über Kurzwelle in das Internet zu versenden.

Ein weiteres Highlight war der Betrieb im 6m Band. Da der Betrieb in Indien nicht allgemein freigegeben ist, waren die Verbindungen für praktisch alle Gäste etwas ganz Neues. Dass man durch geschicktes Auswerfen mit einer Angelrute Haltepunkte für Drahtantennen in den umliegenden Bäumen finden kann, war auch etwas offensichtlich noch Unbekanntes. Diese praktischen Übungen machten offensichtlich großen Spaß.

 

Neben dem umfangreichen Schulungsprogramm wurde versucht unseren Freunden die Schönheit unseres Landes näher zu bringen. So wurde eine Besichtigung des Klosters Mehrerau, eine Bootsfahrt auf dem Bodensee und eine Wanderung in der Rappenlochschlucht in Dornbirn dankend angenommen.

 

Nach den, doch recht anstrengenden, Tagen in Vorarlberg verbrachten die Besucher aus VU2 noch drei weitere, nicht stressfreie Tage, auf der HAM Radio in Friedrichshafen bevor sie die Heimreise antraten.

 

Für uns Funkamateure in Vorarlberg waren diese Tage mit den indischen Freunden sehr interessant. Dank gelebtem Hamspirit und interkulturellem Austausch haben wir auf diesem Weg neue Freunde gewonnen

Die gelungene Veranstaltung war dem ORF sogar einen Fernsehbericht wert. So konnten wir unser Hobby und unsere Dienste für die Allgemeinheit einem breiten Publikum näher bringen.

 

Natürlich benötigt die Durchführung einer derartigen Veranstaltung sehr viele Helfer. Am Erfolg waren DL3SBB OE9AKI, OE9AMJ, OE9FWV, OE9GHV, OE9GOI, OE9HGV, OE9HLH, OE9HRV, OE9LSJ, OE9MCV, OE9MHV, OE9MON, OE9NAI, OE9PTI, OE9RWV, OE9SEI, OE9TAV, OE9WLJ und OE9WSJ beteiligt. Herzlichen Dank für den teilweise sehr großen Einsatz.

 

73 de OE9HGV

 

Veröffentlichung der NIAR

NIAR_HamNews_August_2007.pdf

3.1 M
 
 
22.02.2024/besuch_vu2.html?&fontsize=944besuch_vu2.html